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Experten und Planer - Modelle und Konzepte

   Achim Baumgartner 
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Das Gemeinschaftsgrab aus Sicht der Friedhofsplanung

In der Vergangenheit kam es zu einer deutlichen Differenzierung des bis dahin ziemlich einheitlichen Grabstellenangebotes. Das gewohnte Paar aus Wahlgrab und Reihengrab sowohl bei der Erd- als auch bei der Urnenbestattung fanden sich plötzlich in der Gesellschaft von anonymen Bestattungen, Rasengrabstätten und Aschestreufelder wieder.
Da verwundert es nicht, wenn die Idee des Gemeinschaftsgrabes mitunter auf Zurückhaltung bei den Friedhofsbetreibern stößt. Jede neue Grabart reduziert schließlich die Flexibilität und die Handlungsspielräume.
Doch das Gemeinschaftsgrab passt in diese grundsätzlich richtige, kritische Betrachtungsweise nicht hinein. Vielmehr ist es eine konstruktive Antwort auf ganz alltägliche Probleme auf dem Friedhof und es hilft somit entscheidend mit, diese Konflikte zu reduzieren:

Die Bestandslücke:
Auf vielen alten Friedhöfen stören Belegungslücken im Bestand das Erscheinungsbild und die Gebührenkalkulation. Freie Stellen müssen entweder von der Friedhofsverwaltung gepflegt werden oder fallen als Unkrautfluren negativ auf.
Da etliche Entwürfe auf dem Tisch liegen, bei denen Gemeinschaftsgräber unmittelbar das Raster vorhandener Grabstellenmaße aufnehmen, bieten sie die Chance, Bestandslücken effektiv und hilfreich zu reaktivieren.

Die Pflegelücke:
Die private Grabstelle liegt in der Obhut der Angehörigen. Die hinreichende Pflege der Grabstelle lässt sich im Konfliktfall nur schwer durchsetzen. Das Gemeinschaftsgrab sorgt mit der Maßgabe einer beauftragten Pflege oder zumindest durch die Beteiligung einer größeren Gruppe an der Grabpflege sehr sicher für ein dauerhaftes, ansprechendes Äußeres der Grabstelle.

Die Bedarfslücke:
Friedhöfe erweisen sich bei der Frage möglicher Umplanungen als träge. Veränderungen im Flächenbedarf können daher nur schwer aufgefangen werden. Das Gemeinschaftsgrab erlaubt jedoch, da bei ihm intern die Belegungsdichte neu definiert wird, überschüssige Friedhofsflächen großzügig mit einzubeziehen - und den Gebührenzahlern zuzuordnen.
Alternativ kann bei akutem Platzmangel auf dem Friedhof insbesondere innerhalb des Urnen- Gemeinschaftsgrabes eine dichtere Beisetzung erfolgen, da der Flächenbedarf zum Separieren jeder einzelnen Grabstelle entfällt.

Die Planungslücke:
Der Umschwung vom Erdgrab auf die Urnenbestattung hat manche Friedhöfe kalt erwischt. Die einst vollständig auf Erdgräber abgestellte Anordnung der Wege verlangt aufwendige Änderungen in der Infrastruktur, um dem Grabstellenmaß der Urnen und damit verbundenen, eigenen Gestaltungsregeln entgegen zu kommen.
Durch die Flexibilität in der konkreten Belegung erlaubt es das Gemeinschaftsgrab, einzelne Grabreihen oder Grabstellen im gewohnten Raster der Erdgrabstelle auf die Urnenbestattung umzustellen, ohne die Optik und die Infrastruktur anpassen zu müssen. Das spart Kosten.

Die Identitätslücke:
Nach und nach zerbricht bei der Frage einer akzeptierten Friedhofsgestaltung der kulturelle Konsens. Neue Friedhofsarten (Aschestreufelder, Friedwald) machen dem klassischen Friedhof Konkurrenz und erschüttern nebenbei sein kalkulatorisches Gebäude.
Um die Diskussion um die Zukunft des Friedhofes zu fordern und zugleich ohne großen Aufwand einzelnen Gruppen Handlungsspielraum für die Weiterentwicklung der Friedhofskultur zu eröffnen, erweisen sich die Gemeinschaftsgräber als ideal. Als leicht integrierbare Kristallisationspunkte tragen Sie dafür Sorge, dass der Friedhof zukunftsträchtig bleibt.

Die Gestaltungslücke:
Bisher haben die Friedhofsträger nur über die Friedhofssatzungen einige Möglichkeiten, Gestaltungsvorgaben für Grabstellen zu treffen. Mustergräber, die für bestimmte Gestaltungsansätze werben sollen, sind meist mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden. Auch hierbei eröffnet das Gemeinschaftsgrab, dessen Gestaltung verbindlich festgelegt wird, neue Möglichkeiten, Maßstäbe und Standards zu setzen, ohne damit die Satzung überfrachten zu müssen.

Offen bleibt angesichts solcher Stärken die Frage, wie sich die Gemeinschaften eines solches Grabstellenprojekte zusammenfinden. Dabei auf Anfragen aus der Bevölkerung zu warten, dürfte es müßig sein, es sei denn, ein besonders aktiver Hospizverein nimmt sich dieses Themas an.
In der Tat werden es die Friedhofsämter sein, die aktiv für die Idee des Gemeinschaftsgrabes antreten und werben müssen, wenn sie die Vorteile nutzen wollen. Berührungsängste der Menschen mit dem Gemeinschaftsgrab sollten dabei ausbleiben, da sich lediglich der Fokus der Betrachtung verändert. Schon der Friedhof selbst erweist sich ja als Ort der gemeinsamen Bestattung.

Landschaftsarchitekt
Dipl. Ing. Achim Baumgartner
Büro für Garten- und Freiraumplanung
Steinkreuzstraße 14
53757 Sankt Augustin
Telefon 02241/333897
E-Mail: Achim-Baumgartner@gmx.de